Forschung

Wenn man sich anschickt, Hirnforschung zu betreiben, betritt man ein wissenschaftliches Minenfeld.
Im Manifest elf führender Neurowissenschaftler (Gehirn & Geist Nr. 6/2004) über Gegenwart und Zukunft der Hirnforschung liest man staunend, dass hier auf lange Sicht analog der Quantenphysik eine (Zitat:) "Theorie des Gehirns" entwickelt werden soll, die es ermöglicht, (Zitat:) "die schweren Fragen der Erkenntnistheorie anzugehen: nach dem Bewusstsein, der Ich-Erfahrung und dem Verhältnis von erkennendem Subjekt und zu erkennendem Objekt. Denn in diesem Moment schickt sich unser Gehirn ernsthaft an, sich selbst zu erkennen."
Als Folge dieser Entwicklung (Zitat:) "stehen uns in sehr absehbarer Zeit beträchtliche Erschütterungen ins Haus. Geisteswissenschaften und Neurowissenschaften werden in einen intensiven Dialog treten müssen, um gemeinsam ein neues Menschenbild zu entwerfen."

Dazu meint Wolfgang Prinz, Direktor am Max Planck Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften (München): "Was Subjektivität und Bewusstsein angeht, glaube ich nicht, dass mehr Wissen automatisch zu mehr Verstehen führt. Was hier nämlich fehlt, ist eine übergeordnete Theorie, die die objektive Sprache, in der wir über Hirnprozesse reden, und die subjektive Sprache der Bewusstseinsphänomene zu einander in Beziehung setzt und im Rahmen eines einheitlichen Systems den objektiven und den subjektiven Sachverhalten ihren Platz zuweist."
Und er vermerkt kritisch: "Was die Beziehung zwischen Gehirnprozessen und Bewusstsein betrifft, wissen wir de facto nicht einmal, wie wir die Frage genau stellen sollen."

Dem gegenüber stellte der große Max Planck - Namensgeber renommierter deutscher Hirnforschungsinstitute - in seiner Göttinger Abschiedsvorlesung vom 17. Juni 1946 fest:
"Es ist daher nicht möglich, von einem einheitlichen Standpunkt aus sowohl die körperlichen als auch die seelischen Vorgänge zu überschauen, und da man, um zu einem klaren Resultat zu gelangen, den einmal eingenommenen Standpunkt, der den anderen ausschließt, festhalten muss, so verliert die Frage nach dem Zusammenhang der körperlichen und seelischen Vorgänge ihren Sinn."
Zu dem von der heutigen Hirnforschung mit aufwendiger Methodik untersuchten Problem, wie frei der "freie Wille" wirklich ist, sagte er: "Von außen betrachtet ist der Wille kausal determiniert, von innen betrachtet ist der Wille frei. Mit der Feststellung dieses Sachverhaltes erledigt sich das Problem der Willensfreiheit. Es ist nur dadurch entstanden, dass man nicht darauf geachtet hat, den Standpunkt der Betrachtung ausdrücklich festzulegen und einzuhalten. Wir haben hier ein Paradebeispiel für ein Scheinproblem."

Unsere Forschung im BCB versuchen wir auf permanent gültige Episteme zu stützen, wie sie hier von Max Planck formuliert wurden, um so die grundlegenden konzeptuellen Fehler in der aktuellen Hirnforschung zu vermeiden.
Das "Credo" unserer wissenschaftlichen Arbeit, klare Begrifflichkeit, Wissen um anerkannte erkenntnistheoretische Prämissen, Akzeptanz eines Erkenntnishorizontes der Hirnforschung und ein von Humanität geprägtes Bild vom Menschen im Bezug zu seiner Umwelt ist ausführlich beschrieben in dem Aufsatz "Das epistemologische Problem in den Neurowissenschaften und die Folgen" (ULRICH, 2005).

[VERWEIS in den MEDIENBEREICH zu oben genanntem Dokument]

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