Lernpsychologisches Training

I. Einführung

Wenn ein Kind trotz Begabung im altersbezogenen Normalbereich außerordentliche Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens, der Rechtschreibung oder des Rechnens hat und die zusätzliche Förderung in der Schule sowie Unterstützung zu Hause zu keiner entscheidenden Verbesserung führt, ist zunächst eine umfassende Untersuchung zur Erfassung der Ursachen dieser Entwicklung angezeigt.
Vom Beginn der Informationsaufnahme über die Sinnesorgane bis zur Wiedergabe des Ergebnisses gedanklicher Verarbeitung durch Schreiben, Sprechen oder Handeln muß jeder Schritt dieses komplexen Prozesses sorgfältig untersucht werden. Nur so kann es gelingen, individuell für jedes untersuchte Kind seine tatsächlich relevanten Schwierigkeiten zu identifizieren.

Auf der Grundlage einer solchen sorgfältigen Untersuchung können wir ein individuell auf die Probleme zugeschnittenes Training konzipieren, welches für das Kind tatsächlich eine entscheidende Verbesserung mit sich bringt.

Lernpsychologisches Training ist allerdings keine Nachhilfe und damit nicht zum Aufarbeiten allgemeiner Lernrückstände geeignet! Es geht vielmehr darum, ungünstige, teilweise schon automatisierte Be- und Verarbeitungsstrategien, welche vom Kind zur Umgehung / Bewältigung seiner Schwierigkeiten spontan entwickelt wurden, zu ersetzen durch günstigere Strategien, welche schließlich mehr Erfolg bei weniger belastendem Anstrengungsgefühl bringen werden.

II. Trainingsdurchführung

Nach einer ausführlichen Untersuchung (siehe z.B. LEGASTHENIE-DIAGNOSTIK) werden mit Kind und Eltern / dem Jugendlichen die Trainingsziele festgelegt. Zur Auswahl der Trainingsmittel muß geklärt werden, auf welche Art und Weise der Betreffende in der Regel besonders gut lernen kann und welche Lernmittel voraussichtlich unter Berücksichtigung der Untersuchungsergebnisse besonders günstig sind.
Entscheidend für den Erfolg ist schließlich die Ausbildung einer Vertrauensbeziehung im Trainingsverlauf, so dass auch zuerst als unüberwindbar angesehene Schwierigkeiten in Angriff genommen werden können.

In ca. dreimonatigen Abständen wird eine Lernzielkontrolle durchgeführt und ggfs. Lernziel oder Trainingsmittel an das Ergebnis dieser Überprüfung angepasst.

Besonders bei Kindern mit ADHS geht es weniger um fachbezogene Lernschwierigkeiten als um einen Mangel an Selbstorganisation, Selbstüberwachung und effizienten Arbeitsstrategien. Die extreme Abhängigkeit der Betroffenen von einer motivations-getragenen Hirnaktivierung stellt an den Trainer besonders hohe Anforderungen.

Zu einem lernpsychologischen Training gehören im erforderlichen Umfange auch Elterngespräche sowie - im Einzelfall und in Absprache - die Kontaktaufnahme und Beratung der Lehrer des betreffenden Kindes.

III. Verlauf und Trainingsergebnisse

Ein lernpsychologisches Training wird in der Regel einmal wöchentlich als Einzeltraining, im fortgeschrittenen Verlauf auch als Kleingruppen-Training durchgeführt.
Die Trainingsdauer liegt in der Regel zwischen einem und zwei Jahren.
Häufig wird nach Stabilisierung verbesserter Lern- und Arbeitsstrategien zum Aufholen von Lernrückständen eine häusliche Nachhilfe eingesetzt.

Beendet wird ein lernpsychologisches Training immer dann, wenn der betreffende Schüler mit verbesserten Lern- und Arbeitsstrategien erfolgreich am Regelunterricht teilnehmen kann und ein der Begabung und dem Einsatz angemessener Erfolg zu verzeichnen ist.