ADHS-DIAGNOSTIK

I. Störungsbild und diagnostische Probleme

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung ist gekennzeichnet durch die Kombination von Störungen der Aufmerksamkeitslenkung, von Impulsivität und Hyperaktivität. Die Symptomatik beginnt in der Regel bereits vor dem Schulalter, tritt in verschiedenartigen Situationen auf und führt zu einer wesentlichen Beeinträchtigung der schulischen, oft auch sozialen Entwicklung.

Die Kernsymptomatik wurde definiert nach dem Störungsbild, wie man es hauptsächlich bei betroffenen Jungen des Grundschulalters findet. Bei gleichaltrigen Mädchen sowie allgemein ab der Pubertätszeit können sich die Auffälligkeiten und Schwierigkeiten deutlich wandeln. In dieser Altersstufe und noch mehr im Erwachsenenalter, in dem immer noch mindestens die Hälfte der ADHS-Betroffenen unter deutlichen Beeinträchtigungen leidet, ist die Diagnosestellung deshalb schwieriger. Häufig werden nur die Begleiterkrankungen (Komorbidität) erkannt.

Damit steht aber Betroffenen das effektive Behandlungskonzept für ADHS im Rahmen der Gesamtbehandlung nicht zur Verfügung und es droht eine erhöhte Chronifizierungsgefahr. Therapieresistente Angststörungen oder Depressionen, chronische Bulimie, anhaltende Schwierigkeiten im Studium bis hin zum Studienabbruch trotz guter Begabung, permanent verantwortungsloses und impulsives Verhalten mit teilweise verheerenden persönlichen und wirtschaftlichen Folgen - es gibt viele Bilder, bei denen ADHS unerkannt eine entscheidende Rolle spielen kann.

Die aktuellen Diagnoseleitlinien für ADHS beziehen sich auf die Endstrecke einer Entwicklung komplexer Hirnleistungen und komplexen Verhaltens. Am Anfang dieser Entwicklungskette steht ein Spektrum genetisch vermittelter Abweichungen im Gehirn bei Verteilungsdichte und Sensitivität verschiedener Rezeptoren, bei der Aktivität von Enzymen für Auf- und Abbau von Neurotransmittern und bei der Aktivität von Transporter-Proteinen. Hieraus resultieren veränderte Regulationsgleichgewichte und es kommt zu einer veränderten Regulationsdynamik zentraler Hirnfunktionen. Die Erforschung von ADHS auf dieser Ebene und die Einbeziehung der Ergebnisse in ein erweitertes diagnostisches Konzept ist Teil der Arbeit unseres Instituts.

II. Unser diagnostisches Vorgehen

Wir orientieren uns zunächst an den Kriterien des Diagnostisch-Statistischen Manuals (DSM IV) der Amerikanischen Psychiatrischen Gesellschaft (APA). Darüber hinaus stützen wir uns in unserer Diagnostik zusätzlich auf die familiär-konstitutionelle Perspektive, erfassen ADHS-assoziierte Kernmotive, welche in spezifischer Weise Einstellung und Verhalten prägen, sowie eine ADHS-typische Dynamik im Bereich der Urteils- und Reaktionsbildung. Schließlich stützen wir uns auf die vigilanzdynamische Analyse des Ruhe-EEGs, welche Rückschlüsse auf das aktuelle Funktionsniveau und die individuelle Regulationsdynamik der kortikalen Organisation erlaubt (s. FORSCHUNG/ METHODIK).

A. Informationen aus Eigen- und Fremdangaben


Quellen:

Erhebungsinstrumente:

Längsschnitt-Perspektive:

Querschnitt-Perspektive:

B. Untersuchungen und Befunderhebungen

C. Ergebnisbewertung und Beratung