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1. Bezeichnung des Forschungsvorhabens

Verlaufsuntersuchung bei depressiven Patienten unter Behandlung mit der Manuellen Somatointegrativen Therapie (MST)

Eine Studie des Brain Center Berlin
(Studienberatung: Prof. Dr. med. B. Müller-Oerlinghausen)

2. Einführung

Die Auswirkung einer im englisch-amerikanischen Sprachraum "Slow Stroke-Massage" genannten Behandlungsform auf körperliche Störungen ist durch eine Reihe von Untersuchungen belegt. So wurden Einflüsse auf obstruktive Störungen im Atemwegsbereich, auf Immunfunktionen, auf Schmerzen und Funktionsstörungen im Bereich des Bewegungsapparates ausführlich untersucht, (1.,2.,5.) Studien, die den Einfluss dieses Behandlungsverfahrens auf den psychischen Bereich untersuchen, sind jedoch deutlich seltener (6.).
Ein Zusammenhang zwischen "körperlichem Zustand" und "emotionaler Einstellung" wird umfassend in den Arbeiten von Antonio R. Damasio nachgewiesen. Er sieht ein gemeinsames komplexes Steuerungssystem für körperliche und emotionale "Grundeinstellungen", verknüpft über basale Bewertungssysteme (Amygdala). Hieraus beeinflusste Stammhirnfunktionen führen zu Veränderungen des inneren Milieus, des Bewegungsapparates und der Grundbereitschaft für spezifische Verhaltensweisen.
Das emotionale Erleben gilt dabei als Repräsentation der Regulationseinstellungen dieses Gesamtsystems auf der Ebene des Bewusstseins.
In diesem Zusammenhang sehen wir als wirksames Prinzip der Slow Stroke-Massage nicht so sehr die Auswirkungen der epikritischen, sondern hauptsächlich der protopathischen Wahrnehmung dieser Behandlung. Da diese Massageform mit ihren langsamen und langen Bewegungen jeweils größere Körperregionen auf der protopathischen Wahrnehmungsebene integriert, nennen wir sie "Manuelle Somatointegrative Therapie" (MST).

3. Untersuchungskonzept

Unter Voraussetzung der eingangs genannten Zusammenhänge gehen wir davon aus, dass somatische "Grundeinstellungen" und emotionale "Grundhaltungen" Auswirkungen des gleichen zentralen regulativen Geschehens sind.
Wir wollen deshalb untersuchen, welcher Zusammenhang zwischen psychometrisch erfassbarer Veränderung auf der emotional-affektiven Ebene und Änderungen im zentralen Regulationssystem besteht, welche sich auch in der Vigilanzregulation des Gehirns niederschlagen.
Vigilanz ist hierbei zu verstehen als Ordnungsdimension in der dynamisch regulierten Vernetzung des Cortex, abgebildet als Muster der hirnelektrischen Spontanaktivität (Elektroenzephalogramm in Ruhe).

Da die individuellen neurophysiologischen Verschiedenheiten der Probanden einer Untersuchungsgruppe als mindestens genauso groß wie die individuellen Veränderungen im Verlaufe der Untersuchung angenommen werden müssen, verbietet sich die Querschnittsbetrachtung der gewonnenen Daten in der Gruppe. Als allein aussagekräftig kann die ipsative Betrachtung (Längsschnittuntersuchung des Individuums) angesehen werden. Erst auf der nächsten Bewertungsstufe können sich durch Zusammenfassung gleichartiger Verlaufstypen Querschnittsbetrachtungen in der Gruppe anschließen. Auf dieser Ebene wollen wir dann auch der Frage nachgehen, ob verschiedene neurobiologische Konstitutionstypen, abgebildet auf der Ebene der Vigilanzregulationsdynamik mit den Polen Rigidität-Labilität, auch eine verschiedenartige Reaktionsdynamik bezüglich der Auswirkung des (für alle gleichartig durchgeführten) Behandlungsverfahrens zeigen. Wir vermuten, dass für die Auswahl eines Behandlungsverfahrens sowohl medikamentöser wie nicht medikamentöser Art neben der Symptomatik auch die neurobiologische Konstitution unbedingt berücksichtigt werden muss.

4. Studiendurchführung

Für die Durchführung der Studie wird insgesamt ein Zeitrahmen von max. 2 Jahren angesetzt.
Aus einer benachbarten psychiatrischen Großpraxis und - falls erforderlich - über Aufrufe in den Medien sollen insgesamt 30 Patienten (N=30) mit längerdauernder depressiver Reaktion (Diagnosegruppen ICD10 F43.21, F. 43.22) rekrutiert werden.

Nach einer Eingangsuntersuchung (Screening) mit psychiatrischer Untersuchung sowie standardisierter Selbst- und Fremdbeurteilung werden eingeschlossene Probanden in die Behandlungsgruppe übernommen.
Die Behandlungsphase mit MST dauert 6 Wochen, wobei in den ersten beiden Wochen an je zwei Tagen, von der 3. bis 6. Woche an je einem Tag eine Behandlung durchgeführt wird. Daran schließt sich eine Nachbeobachtungsphase ohne Behandlung von ebenfalls 6 Wochen an.

Folgende Untersuchungsverfahren werden eingesetzt:

5. Datenauswertung

Die erhobenen Daten werden unter folgenden Gesichtspunkten ausgewertet:

6. Literatur

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