Methodik

In der heutigen - insbesondere angloamerikanischen - Literatur wird die Unterscheidung von "Hirnfunktion" (Physiologie, brain language) und "Hirnleistung" (Psychologie, mind language) kaum noch beachtet.
Wir betrachten diese Differenzierung jedoch als unabdingbare Voraussetzung für sinnvolle klinische Hirnforschung. Dementsprechend unterscheiden wir auch stets den "pathologischen Funktionswandel" vom "pathologischen Leistungswandel", und damit auch Indikatoren für ersteren von Indikatoren für letzteren.

Als wichtigen Indikator für einen pathologischen Funktionswandel sehen wir das EEG an, und zwar auf Grund der Gesetzmäßigkeiten der hirnelektrischen Aktivität, wie sie unter Ruhebedingungen im Zeitverlauf festzustellen sind ("spontane Zyklusdynamik").
Aus dem Ruhe-EEG als Abbild der globalen kortikalen Organisation ziehen wir durch vigilanzdynamische Analyse (u. a. ULRICH, 1994) Rückschlüsse auf das aktuelle Funktionsniveau und seine Regulationsdynamik.

Ein pathologischer Funktionswandel bzw. dessen Verlauf in der Zeit lässt sich zuverlässig durch ipsative Längsschnittanalyse, also vergleichende EEG-Auswertung bei derselben Person mit Ableitungen in definierten Zeitabständen, objektivieren. Hierfür setzen wir das von ULRICH entwickelte Analyseprogramm ITA ein.
Ein pathologischer Leistungswandel dagegen ist schwieriger zu erfassen und auf Grund individuell stark variierender leistungskompensierender Faktoren noch viel schwieriger zu interpretieren. Bei sehr langsamen Prozessen, wie z. B. der Alzheimer-Demenz, ist ein pathologischer Leistungswandel sogar erst nach einem vieljährigen klinisch unauffälligen Intervall feststellbar.

Auf der Funktionsebene lassen sich auch unterschiedliche charakteristische "Regulationstypen" abgrenzen. Hierfür wird z.Zt. in Zusammenarbeit mit der Fa. Wischsoft ein EEG-Analyse-Programm entwickelt, das Geschwindigkeit, Ausmaß und Häufigkeit von Übergängen kategorial unterscheidbarer Ordnungszustände im Ruhe-EEG feststellt.
Auf der Basis dieser Daten können Gruppen mit regulationsphysiologisch verwandter Organisationsdynamik gebildet werden, die bestimmte Regulationstypen konstituieren.
Solche Regulationstypen sind vermutlich konstitutionell bedingt und von entscheidender pathoplastischer Bedeutung, d.h. sie dürften ganz wesentlich Art und symptomatische Ausgestaltung psychischer Störungsbilder bestimmen.

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