Alzheimer Projekt

1. Bezeichnung des Forschungsvorhabens

Prospektive Untersuchungen zur Entwicklungsdynamik einer DAT als Voraussetzung für die Erprobung einer Manifestationsprophylaxe mit Statinen

2.Kurzbezeichnung

Manifestationsprävention der DAT

3. Kurzfassung des Forschungsprojekts

Neuropathologen sind sich heute weitgehend einig, dass der einer DAT zugrunde liegende Prozess des Pathologischen Strukturwandels (Anatomie/Histologie) 10-30 Jahre angedauert haben muss, bevor die ersten klinisch fassbaren Zeichen beobachtet werden können. Entsprechend dieser Prozessdynamik einer DAT muss unterschieden werden zwischen einem frühen Pathologischen Strukturwandel, dem zeitlich ein Abbau neurologischer Funktionskapazitäten unmittelbar zuzuordnen ist und einem sich erst mit erheblicher Latenz manifestierenden Pathologischen Leistungswandel (Klinik/Psychologie/Neuropsychologie), entsprechend dem Auftreten klinischer Frühzeichen einer DAT.

Diese heute eher ungebräuchliche Terminologie wurde vor einem halben Jahrhundert von Klaus Conrad in die "Klinische Hirnpathologie" eingeführt (Conrad, 1947). Wir greifen darauf zurück, weil sich damit der hier in Frage stehende Sachverhalt auf eine optimale Weise darstellen lässt.

Die Latenz zwischen dem bisher nicht erfassbaren Pathologischen Funktionswandel (Physiologie/Neurophysiologie/Psychophysiologie) und dem Pathologischen Leistungswandel ist zurückzuführen auf die Plastizität des ZNS sowie auf Umwegsleistungen. Die organismischen Kompensationsmöglichkeiten sind umso größer, je geringer das Momentum des pathologischen Prozesses ist. So gesehen handelt es sich bei der Frühdiagnose einer DAT an Hand von klinischen Frühsymptomen um eine Spätdiagnose des pathologischen Prozesses: Clinically apparent AD, however , represents end stage disease" (Knopman, 1998). Ausgehend von diesen Prämissen lässt sich folgende Arbeitshypothese formulieren: Eine pharmakologische Substanz, welche die Amyloidbildung bzw. Demyelinisierung verhindert, wird ihr protektives Potential umso besser entfalten können, je weniger der Pathologische Struktur-/Funktionswandel fortgeschritten ist. Dieser Überlegung zu Folge sind die bisherigen unbefriedigenden, weil allenfalls passageren therapeutischen Effekte der Acetylcholinesterasehemmer und die wenig überzeugenden Ergebnisse einer Statin-Therapie bei Personen mit "leichter" DAT nicht weiter verwunderlich. So sollte man auch von den zahlreichen, derzeit begonnenen Therapiestudien an Patienten mit "Mild cognitive impairment" nicht allzu viel erwarten, weil eben der Destruktionsprozess schon zu weit fortgeschritten ist, als dass ein neuroprotektives Wirkprinzip noch viel ausrichten könnte Demgegenüber konnte in mehreren großen retrospektiven Studien übereinstimmend ein sehr deutlicher Statin-Effekt auf die DAT-Prävalenz wahrscheinlich gemacht werden Aufgrund dessen erscheint uns eine prospektiv angelegte Studie mit Personen, die sich noch in der Phase klinischer Latenz befinden von allergrößter Bedeutung.

Dass eine derartige Studie bisher fehlt, dürfte in erster Linie methodische Gründe haben: Bislang existierte nämlich kein diagnostisches Verfahren zur qualitativen oder gar quantitativen Erfassung eines klinisch noch inapparenten Pathologischen Funktionswandels.

Bei dem hier vorgestellten und vorgeschlagenen Verfahren handelt es sich um ein, von einem der Antragsteller (G.U.) entwickeltes Messverfahren (Ipsative Trend Assessment), ITA), das mehrere Jahre erfolgreicher Anwendungserprobung hinter sich hat. Hierbei geht es um die Quantifizierung "höherer Strukturmerkmale" der hirnelektrischen Aktivität, wie sie noch in der Ära der visuellen Interpretation des EEG als klinisch bedeutsam betrachtet wurden. Aufgrund von Voruntersuchungen bei Patienten mit klinischer DAT-Diagnose ist zu erwarten, dass bei einem bestimmten Prozentsatz einer definierten Population mit bestimmten Risikofaktoren für eine DAT, aber ohne klinische Zeichen derselben, durch 4 bis 8 Messungen im 17-Wochen-Intervall ein Trend in Richtung eines Pathologischen Funktionswandels dargestellt werden kann.
Bei diesen Personen ist in einer nachfolgenden Phase der Behandlung des Pathologischen Funktionswandels, bzw. der Prophylaxe des Pathologischen Leistungswandels, eine günstige Wirkung von Statinen zu postulieren. Das Gesamtprojekt besteht aus zwei Teilprojekten, wobei die erfolgreiche Validierung des neuen, auf die präklinische Phase der DAT gerichteten Diagnoseverfahrens methodische Voraussetzung für das zweite Teilprojekt ist, nämlich den gezielten Einsatz eines Statins zur Prävention der klinischen Manifestation einer DAT.

Wenn die Validierung des bereits bei anderen Indikationen erfolgreich erprobten Diagnoseverfahrens auch bei Personen im präklinischen Stadium einer DAT durchgeführt wurde, ist damit die Voraussetzung geschaffen für eine verlässliche Prüfung potentiell wirksamer Prophylaktika und Therapeutika gegen DAT. Es liegt auf der Hand, dass ein effizientes, größere Bevölkerungsanteile einbeziehendes Präventivscreening auf DAT mit darauf aufbauender gezielter medikamentöser Intervention von allergrößter volkswirtschaftlicher Bedeutung wäre.

4. Projektdurchführung

Dr. med. Wolfgang Droll
Facharzt für Neurologie und Psychiatrie,
Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie,
Psychotherapie, Verhaltenstherapie
Praxis: Westfälische Str. 34, 10709 Berlin
Büro: Karlsbader Str. 1, 14193 Berlin, Tel: 030-895 05 527, Fax: 895 05 529
droll@geah.de

 

Prof. Dr. med. Gerald Ulrich
Facharzt für Nervenheilkunde
Charité, Campus B. Franklin, Psychiatrische Klinik,
Eschenallee 3, 14050 Berlin, Tel: 030-844 58 478
gerald.ulrich@charite.de

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